Schwerin-Lokal

„Das Leid vieler Menschen etwas lindern zu können, war und bleibt meine Priorität“

Schubarth

Marina Schubarth spricht im Interview mit Schwerin-Lokal über ihr Engagement für Menschenrechte und warum sie nach Schwerin kommt      Quelle: youtube

 

(stm). Was haben Edward Snowden, Günter Wallraff, der in Schwerin verstorbene WDR-Journalist Klaus Bednarz und Marina Schubarth gemeinsam? Alle sind Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille. Dieser jährlich zu vergebene Preis der Internationalen Liga für Menschenrechte wird an Menschen und Initiativen verliehen, die sich nach Auffassung des Vereins in besonderer Art und Weise für die Verwirklichung der Menschenrechte eingesetzt haben. Die Preisträger Marina Schubarth kommt am kommenden Donnerstag nach Schwerin.

 

An diesem Tag wird es im im Werk 3 ab 20.00 Uhr ein Benefizkonzert für die Ukraine geben. (mehr Informationen zu auftretenden Bands und Angeboten hier)

 

Die Ukrainerin Marina Schubarth, die sich vor Ort gut auskennt, wird in einem Lichtbildervortrag über die momentane Situation in der Ukraine berichten. Viele Jahre koordiniert die Ossietzky-Preisträgerin Hilfeleistungen für die dort lebenden Menschen. Schwerin-Lokal hat sie schon im Vorfeld ein Interview gegeben.

 

Schwerin-Lokal: Guten Tag Frau Schubarth, am Donnerstag sind Sie in Schwerin.  Was erhoffen und erwarten Sie hier in Schwerin an diesem Abend?

 

Marina Schubarth: Guten Tag. Als erstes möchte ich mich für diese wunderbare Idee eines Benefizkonzertes zu Gunsten der Ukraine bedanken.

Es ist ein Zeichen der Solidarität gegenüber dem Nachbarland, der Ukraine und deren Menschen. Ich würde mich freuen, wenn viele Interessierte vorbei kommen, um einerseits ein wenig mehr über die Ukraine zu erfahren, und anderseits durch die Spenden jenen helfen, welche heute auf jede Hilfe angewiesen sind.

 

Schwerin-Lokal: Wenn man nach Ihnen im Netz recherchiert, findet man schnell die Angabe, dass Sie Ossietzky-Preisträgerin sind. Was ist die Ossietzky-Medaille?

 

Sie haben die Ossietzky-Medaille vor 13 Jahren für ihr Engagement zu den ehemaligen Sowjetländern erhalten. Worin lag das Engagement?

 

Marina Schubarth: Diesen Preis erhielt ich für mein ehrenamtliches Engagement, für die Rechte der ehemaligen Zwangsarbeiter, Ghetto und KZ Insassen, des II. Weltkrieges. Ich wollte seinerzeit der Aufschrift OST, welche die ehemaligen Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion als Kennzeichen tragen mussten, ein Gesicht geben.

 

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Mit dem Verein Kontakte- Kontakty e.V. habe ich eine Ausstellung dazu oraganisiert, um auch auf die mühsame Debatte der Entschädigung hinzuweisen. Ich habe dann über Jahre für die ehemaligen Zwangsarbeitern ihre notwendigen Dokumente in Deutschland gesucht, damit diese eine humanitäre Hilfe aus der deutschen Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft – EVZ – erhalten konnten. Dabei handelte es sich nicht um ein paar Nachweise, sondern um mehrere Tausende, welche ich mühsam hier zusammen suchte. Durch den Spendenaufruf „Soforthilfe“ den ich betreute, konnten einige Spenden für die besonders Bedürftigen Menschen in die Ukraine, nach Russland und Belaruß gebracht werden und somit den Menschen tatsächlich geholfen werden. So bereiste ich über viele Jahre, oft mehrmals im Jahr, die gesamte Ukraine und konnte mir ein Bild über das Land und deren Menschen machen. Diesen Preis zu bekommen, war für mich natürlich eine hohe Anerkennung, jedoch das Leid vieler Menschen etwas lindern zu können, war und bleibt meine Priorität.

 

Schwerin-Lokal: Was viele unsere Leser interessiert, was ist  in der Ukraine los?

 

Marina Schubarth: In der Ukraine herrscht Krieg. Keine Krise, sondern ein Krieg. Und dieser Krieg findet auf mehreren Ebenen statt, und das bereits seit der Majdan-Revolution. Einerseits haben wir militärische Kämpfe vor Ort, anderseits ist die Gesellschaft in Europa durch die russische Propaganda fast gespalten worden. So sind manche Freundschaften und Familien auseinander gebrochen, und das betrifft bei weitem nicht nur die Ukrainer, sondern findet auch hier im Westen Europas statt. Das Ziel der Propaganda ist ja gerade die Spaltung der Gesellschaft, und diese greift tatsächlich Platz. Es wird weder der Faschismus in der Ukraine bekämpft, noch gab es ein Problem mit der russischen Sprache. Das waren alles vorgeschobene Gründe, um diesen Krieg zu entfalten. Diesen Krieg, welcher uns Angst macht. Um die Hinterrgründe besser zu verstehen, muss man in die ukrainische und ebenso in die russische Geschichte eintauchen.

 

Schwerin-Lokal: Was soll mit den Geld aus der Benefizveranstaltung passieren?

 

Marina Schubarth: Noch vor dem Krieg war die medizinische Versorgung in der Ukraine katastrophal. Auf einen Krieg war das Land weder militärisch, noch medizinisch vorbereitet. In den Krankenhäusern liegen viele Verwundete und oft fehlt es an Medikamenten, die entweder gänzlich fehlen oder finanziell unerschwinglich sind. Mit dem Erlös aus der Benefizveranstaltung werden wir nach der Anweisung der versorgender Ärzte vor Ort, Medizin und spezielle blutstillende Verbände besorgen und dieses persönlich in die Ukraine bringen.

 

Schwerin-Lokal: Wie kann man Sie und ihre Arbeit sonst noch, außer durch diese Benefizveranstaltung von hier aus helfen und unterstützen?

 

Marina Schubarth: Ich leite seit 14 Jahren das Dokumentartheater Berlin. Unsere aktuellen Aufführungen behandeln die Themen, wie die NSU und die Tschernobylkatastrophe. Es sind wichtige Themen, welche an Aktualität nicht verlieren. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Theaterlandschaft Schwerin uns einen Weg zu einem Gastspiel ermöglichte, oder wenn Schulen mich zu dem Thema der Ukraine, Zwangsarbeiter des II. Weltkrieges oder die Reaktorkatastrophe zu sich, zu ihren Schulklassen einladen würden. Das wäre eine schöne und wichtige Brücke zwischen Schwerin, Berlin und der Ukraine, welche entstehen könnte.

Frau Schubarth, wir danken Ihnen sehr für dieses Interview und freuen uns auf Donnerstag Abend.

Vielen Dank. Ich freue mich ebenfalls auf die Benefizveranstaltung und die Gäste ihrer Stadt!

 

large_Regie1_1Marina Schubarth

Seit 2003 Leiterin und Regisseurin des dokumentartheaters berlin e.V. Abgeschlossenes Studium des Tanzes in Budapest. 1987 – 1997 Engagements im Stadttheater Karlsruhe und Theater des Westens, Berlin. 1997 – 2012 als Choreografin bei verschiedenen Produktionen tätig, wie Volksbühne Graz, Berliner Ensemble, Volksbühne Wien, Magdeburger Opernhaus. Von 2003 – 2011 eigene Produktionen, wie: „OST-Arbeiter“, „Tänzerin hinter Stacheldraht“, „Und der Name des Sterns heißt Tschernobyl“, „Holodomor – der unbekannte Völkermord“, „Gesichter des Krieges“, „VERA“, „Vergessene Biografien“. Internationale Auszeichnungen für ihr Engagement für Menschenrechte und Theater-Inszenierungen. Trägerin der Ossietzky-Medaille des Jahres 2002.

 

 

Benefizkonzert

 

 

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