Schwerin-Lokal

Die „Mutter des Frauentag“ – Clara Zetkin (Clara Eisner)

 Schwerin, 09.03.2017 (stm – STEPHAN MARTINI). Gestern huschten hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Meldungen zum Frauentag durch das Netz. Mindestens genausoviele Rosen wurden verschenkt. Doch woher kommt der Frauentag? Und was steckt dahinter? Eine Übersicht.

Clara Zetkin die Mutter des Frauentages

Foto: wikipedia

 

„Der Internationale Frauentag, Weltfrauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag ist ein Welttag, der am 8. März begangen wird. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus.“ so steht es bei Wikipedia. Und es steht dort noch mehr. Clara Zetkin, Sozialistin und Frauenrechtlerin, schlug vor über 100 Jahren, am 27. August 1910 auf der zweiten Internationale Sozialistische Frauenkonferenz vor, einen Tag, nur für die Frauenrechte – einzuführen. Und seit dem gibt es ihn. Danke dafür.

 

Doch die Mutter des „Frauentag“ war mehr.

 

Sie war unbequem, hat sich eingemischt.

Sie forderte kostenfreie Schulen, die Trennung von Staat und Religion an ebendiesen. Sie trat dafür ein, dass gleiche Chancen und Zugang zu Bildung ermöglicht werden. Es ist beeindruckend. Sie glaubte an ein soziales Deutschland, an ein Land, in denen den Schwachen und Unterdrückten aus Selbstverständlichkeit geholfen und diese gleichberechtigt als wertvoll erachtet werden. Sie machte sich um 1900 schon für das Wahlrecht der Frauen stark. Nach einer Depression, Herzproblemen und Krankheiten, rappelt sie sich wieder auf und setzt sich weiterhin für Frauen- und Menschenrechte ein.

„Vor dieser zwingenden geschichtlichen Notwendigkeit müssen alle fesselnden und trennenden politischen, gewerkschaftlichen, religiösen und weltanschaulichen Einstellungen zurücktreten.“

1917 während der Revolution in Russland und nach dem Mord an Rosa Luxemburg sieht sie ihre Zeit gekommen um noch stärker öffentlich aufzutreten. Sie orientiert sich an den „Osten“ und wird Mitglied der Kommunistischen Partei. Dort wird sie bis zu ihrem Lebensende aktiv bleiben.

Sie war die Alterspräsidentin in einem Reichstag, in dem die NSDAP die Mehrheit in dem Parlament stellte. Und die historische Antrittrede hielt sie, trotz Drohbriefen, die ihr androhnten sich an den „Ohren herunterzuziehen“. Sie war es, die Herman Göring das Amt nach den damaligen Reden übergeben musste. Doch zuvor, appellierte sie an einen gemeinsamen agieren gegen den Nationalsozialismus. Danach nahm das Unheil der deutschen Geschichte ihren verhängnissvollen Lauf. Kein Wunder also, das der Frauentag, eine Inspiration der „Mutter des Frauentag“ von Nazideutschland schnellstmöglich aus dem Kalender gestrichen wurde.

 

In Nazideutschland verboten, in der DDR ausgenutzt, heute zum „Rosentag“ verkommen

 

Da für die NS-Führung der Tag einen zu kommunistischen, beziehungsweise zu sozialistischen Ansatz hatte, wurde der Frauentag am 8. März gänzlich verboten, und stattdessen der Muttertag eingeführt. Abgeschaut hatten diese, seinerzeit den Muttertag – von den USA.

 

Ein Jahr nach dem Ende Nazi-Deutschlands wurde der Frauentag am 8. März wieder eingeführt – in der DDR. Und hier wurde er auch genutzt um die Propaganda des Systems zu untermauern.

 

Auf der anderen Seite des „Eisernen Vorhanges“ wurde der Frauentag ab 1948 zwar begangen, erhielt dort aber eher den Charakter eines Weltfriedenstages und wurde als Tag gegen Militarisierung gefeiert. Mit dem Aufkommen der Frauenbewegung in den sechziger Jahren bekam der Frauentag auch im Westen eine gewichtigere Bedeutung.

 

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde er dann weiterhin genutzt, um für die Rechte der Frauen einzutreten und auf Ungleichbehandlung aufmerksam zu machen. Dies passierte natürlich nicht nur in Deutschland. Seit den späten 1970`er Jahren hielten die Vereinten Nationen regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Frauenrechte an dem Tag ab. Auch in Schwerin veranstalteten gestern Parteien und Initiativen „Wandertage“ und an diesem Tag werden neben dem Valentinstag die meisten Rosen an Frauen verschenkt. Ob dies nun tatsächlich das Zeichen für die Rechte der Frauen ist sei dahingestellt. Clara Zetkin wollte gewiss mehr mit diesem Tag erreichen als Blumen, Wandertage und Pralinen.

 

1914, wurde der Frauentag bereits durch Plakate und öffentliche Aufrufe beworben.

1914, wurde der Frauentag bereits durch Plakate und öffentliche Aufrufe beworben.

 

Frauentag – in vielen Ländern arbeitsfreier Tag

 

Heute ist der 8. März in Angola, Armenien, Aserbaidschan, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Guinea-Bissau, Kasachstan, Kambodscha, Kirgisistan, Laos, Madagaskar, Moldawien, in der Mongolei, in Nepal, Russland, Sambia, Serbien, Tadschikistan, Turkmenistan, Uganda, in Teilen der Ukraine, in Usbekistan, Vietnam und Weißrussland ein gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag herrsch, wie auch beim „Männertag/Vatertag“ arbeitsfrei. Die Bundesregierung argumentierte mal, dass der Frauentag ja ein internationaler Tag sei, und dadurch mehrere Staaten zeitgleich den arbeitsfreien Tag beschließen müssten – dies sei nicht leistbar. Clara Zetkin hätte dies gewiss anders gesehen.

 

Clara Zetkin starb 1933. Sie hat nie erleben können, was ihre Idee bewirkt hat. In Schwerin haben wir heute, zwischen Hauptbahnhof und Platz der Freiheit, eine Straße, die an die Mutter des Frauentages erinnert. Und das ist gut so.

 

Frauenrechte heutzutage – in Schwerin

 

Auch heute noch gibt es Global mehr als einen Grund, für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einzutreten.

In Schwerin gibt es zwar keine „Frauenquote“ aber mehr und mehr rücken Frauen in die politischen und gesellschaftlichen Funktionen. Und dies nicht weil quotiert wird, sondern weil Frauen ein fester Bestandteil der Gesellschaft sind. Auch wenn keine Oberbürgermeisterin in Schwerin mehr das höchste Verwaltungamt bekleidet.

 

Frauen in Schwerin

Schaut man sich die politisch an Parteien und Wählergemeinschaften verbundenen Frauen in Schwerin an, so sind die Damen der Schöpfung deutlich in der Unterzahl. Ob hier das verschieben der Sitzungen auf für Mütter passende Uhreiten eine Lösung ist, um mehr Frauen die aktive Teilhabe an der Gestaltung der Stadt zu ermöglichen, wäre durchaus einen Versuch wert. Wäre aber nicht genau dies Diskriminierung? Wäre es nicht besser, wenn die Männer  es als Selbstverständlichkeit sehen, die Kinder zu betreuen und den Haushalt zu schmeißen, während die Frauen sich um die politischen Belange kümmern?

 

Gab es nicht erst vor kurzem eine Meldung, dass Staaten, an dessen Regierungsspitze Frauen sitzen, in weniger Kriege verwickelt sind?

 

Clara Zetkin war nicht nur eine Frauenrechtlerin – sonder ebenso eine Kämpferin gegen Nationalismus und Faschismus.

 


Video: Bayern2 „Grenzenlos hören“

 

 

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