Schwerin-Lokal

Sarah Wagenknecht in Schwerin:
„Wo die Linke ist, scheint die Sonne!“

Schwerin, 29.08. 2017 (red/sr). Mit Kritik am etablierten Politsystem sparte Linken-Spitzenkandidatin Sarah Wagenknecht gestern bei ihrem Wahlkampfauftritt in Schwerin nicht. Soziale Ungerechtigkeiten, Kriegstreiberei in aller Welt, Kungelei zwischen Politik und Wirtschaft – die Linken-Politikerin holte zum Rundumschlag aus.  Von Stefan Rochow

 

Sarah Wagenknecht war gestern ganz Vollblut-Politikerin Foto: Dario Rochow | Schwerin-Lokal

 

Sie war gekommen, um den Direktkandidaten der Linken André Walther im Wahlkampf zu unterstützen. Sarah Wagenknecht setzte ihre Wahlempfehlung gleich an den Anfang ihrer Rede: „Wählen sie dieses Mal einen jungen engagierten Kandidaten.“, so die Frontfrau der Linken. „Wo die Linke ist, scheint die Sonne!“, schiebt sie dann schelmisch hinzu.

 

Merkel in Rente schicken

 

Dann geht es aber gleich in die politische Auseinandersetzung. „Wir brauchen eine andere Politik“, da ist sich Wagenknecht gestern in der Mecklenburgerstraße sicher. Sie greift sichtlich gerne den CDU-Wahlkampfslogan auf: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. Für die Linkenpolitikerin ist diese Aussage das beste Argument, Bundeskanzlerin Merkel abzuwählen.  Die sage zwar immer, Deutschland gehe es gut, doch wenn man genau hinschaue, sehe das ganz anders aus: Jeder fünfte Beschäftigte arbeite im Niedriglohnsektor, prekäre Arbeitsverhältnisse hätten unerträgliche Ausmaße angenommen, Normalverdiener müssten sich vor Altersarmut fürchten, und an den Schulen herrsche Lehrermangel.

 

 

Seit Jahren finde eine enorme Umverteilung statt zugunsten der Wohlhabenden und großer Unternehmen. Wenn Merkel so weitermachen wolle, sei dies „ein Weiter-so der sozialen Kälte“. Wagenknechts Fazit: „Frau Merkel gebührt nicht die Wiederwahl, diese Frau gehört in Rente geschickt!“ Aber die anderen Parteien seien ja auch nicht besser.

 

„Mit so einem zahmen Programm ist die SPD noch nie in den Wahlkampf gegangen“

 

Alle, die in den vergangenen 20 Jahren an der Regierung beteiligt waren, hätten zum weiteren Sozialabbau beigetragen. Wenn sie heute höre, es gebe keine politische Wechselstimmung in Deutschland, dann liege das wahrscheinlich daran, dass so viele die Hoffnung aufgegeben haben, dass sich etwas ändern könnte. Die SPD, die heute noch ihrem „Hartz-Kanzler“ Schröder zujubele und deren Kanzlerkandidat Schulz auch nicht viel anderes einfalle als der amtierenden Regierungschefin, habe ihre sozialen Wurzeln längst gekappt und führe einen in „Watte gepackten Wahlkampf“. „Mit so einem zahmen Programm ist die SPD noch nie in den Wahlkampf gegangen“, sagt Wagenknecht.  Also bleibe nur noch eine Alternative zu dieser verfehlten Politik: Die Linke wählen.

 

Linken-Direktkandidat André Walther bedankt sich bei Sarah Wagenknecht für die Unterstützung Foto: Dario Rochow | Schwerin-Lokal

Je stärker ihre Partei werde, desto mehr Druck könne sie ausüben, dass es zu Veränderungen komme, bei einem höheren Mindestlohn angefangen bis hin zu einer wieder auskömmlichen Rente. Wie sich das finanzieren lasse? Mit Kürzungen bei den Rüstungsausgaben. Und noch eins zur Erinnerung: Die Linke sei auch die einzige Partei im Bundestag, die sich nicht von der Industrie mit dicken Parteispenden kaufen lasse.

 

Ihren gestern gut 800 Anhängern in der Mecklenburgstraße/Ecke Schloßstraße sprach Sarah Wagenknecht gestern aus den Herzen. Ihre rede wurde deshalb immer wieder mit Beifall bedacht. Alles in allem war es ein rhetorisch geschliffener Auftritt, der zeigte, dass Wagenknecht eine Vollblut-Politikerin ist.

 

Nach der Rede ging es dann weiter nach Rostock. Dort absolvierte sie dann einen weiteren Wahlkampfauftritt mit Dietmar Bartsch, der für die Linken ebenfalls als Spitzenkandidat zur Bundestagswahl antritt.

 

Linke aus der politischen Landschaft nicht mehr wegzudenken

 

Die Linke beging dann am Abend noch einen weiteren Höhepunkt – die Jubiläumsfeier des zehnjährigen Bestehens ihres Landersverbandes. Die Landesvorsitzende Heidrun Bluhm gab zur Einstimmung am Anfang einen Kurzabriss der letzten zehn Jahre des Bestehens der Partei. „Die Linke ist aus der politischen Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr wegzudenken“, so ihr Fazit.

 

Heidrun Bluhm gibt einen Rückblick auf zehn Jahre DIE LINKE in MV Foto: Dario Rochow | Schwerin-Lokal

 

Schwerins ehemalige Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow moderierte danach durch den Abend. Sie stellte die verschiedenen Gesichter der Partei vor, die in den letzten Jahren die Partei auch in der Öffentlichkeit geprägt haben. So kamen neben dem ehemaligen Umweltminister und  Stellvertreter des Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Methling Bürgermeister und junge Parteimitglieder zu Wort, die einen Abriss über die Vielfalt in der Partei gaben. Das bekannteste Gesicht der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Dietmar Bartsch erinnerte zum Schluss dann noch einmal an die momentan größte Herausforderung der Partei: „Es sind noch knapp vier Wochen bis zur Bundestagswahl. Nun heißt es noch einmal kräftig die Ärmel hochzukrempeln!“

 

 

 

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