Schwerin-Lokal

Inhaftierung Schweriner in der Türkei:
Erste politische Forderungen aus Schwerin

Schwerin, 28.08.2017 (red/sr). Seit fünf Monaten sitzt ein 54-jähriger Mann in einem Gefängnis in der Türkei. Bisher war dieser Fall unbekannt. Nun werden in Schwerin die ersten politischen Forderungen laut. 

 

Zwischen Deutschland und der Türkei herrscht im Moment politische Eisszeit, seit zehn deutsche aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert werden. Nun wurde bekannt, dass auch ein Schweriner seit fünf Monaten eingesperrt ist.

 

Bisher war der Fall unbekannt. Wie gestern bekannt wurde, sitzt der Schweriner David B. seit fünf Monaten in einem türkischen Gefängnis. Gegenüber dem Fernsehsender ARD bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin die Inhaftierung. Der 54-jährige Erzieher und Mediator war im November 2016 zu einer Pilgerfahrt aufgebrochen, die den mann über Auschwitz, Bulgarien nach Jerusalem führen sollte. Auf seiner Reise wollte der Mann seinen jüdischen Wurzeln nachspüren. Geendet hat die Reise in einem türkischen Gefängnis. Derzeit befindet  sich B. in einem Abschiebelager in Erzurum im Osten der Türkei. Von der deutschen Botschaft in Ankera wird er dort konsularisch betreut. Über die Tatvorwürfe gegen den Schweriner macht das Auswärtige Amt keine Angaben. Es gibt Mutmaßungen, wonach die türkischen Behörden den durch eine evangelische Gemeinde in Mecklenburg abgestempelten Pilgerbrief als Provokation angesehen und B. daraufhin festgenommen hätten.

 

Jagau regt Sondersitzung der Stadtvertretung an

 

Stadtvertreter Karsten Jagau

Nach Bekanntwerden der Inhaftierung des Mannes aus Schwerin, hat sich nun auch der erste Stadtvertreter zu Wort gemeldet. In einem kurzen Schreiben hat Karsten Jagau, der für die ASK in der Stadtvertretung sitzt, Oberbürgermeister Rico Badenschier gebeten, sich für die schnelle Aufklärung des Tatvorwurfes einzusetzen und eine schnelle Freilassung des Mannes einzufordern, wenn die Gründe seiner Verhaftung nicht ausreichend seien. Weiter regt Jagau in seiner Anfrage  an, eine Sondersitzung der Stadtvertretung einzuberufen um eine gemeinsame Erklärung der Stadt abzugeben.

„Es ist nicht hinnehmbar, wenn ein Bürger unserer Stadt über mehrere Monate hinweg, festgehalten wird. Hier müssen wir als Stadtpolitik deutliche Worte finden und dürfen uns nicht darauf verlassen das die türkische Justiz hier von alleine reagieren wird.“, sagt Karsten Jagau. Von der Stadtvertretung erwartet Jagau nun eine eindeutige Stellungnahme zu diesem Vorfall. Da ausschließlich Fraktionen das Recht zusteht, Sondersitzungen der Stadtvertretung zu beantragen, bittet Jagau als Einzelvertreter die Fraktionen, hier den Weg frei zu machen.

Weiter möchte Karsten Jagau vom Oberbürgermeister wissen, unter welchen Bedingungen die Haft zustande kam und ob sich die Stadt schon mit der Familie des Gefangenen in Verbindung gesetzt hat?

Ob die Stadt in dieser Frage der richtige Ansprechpartner ist, muss allerdings bezweifelt werden. Im Moment sitzen insgesamt zehn Deutsche wegen politischer Vorwürfe in türkischen Gefängnissen.  Neben dem deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel gehören unter anderen auch der Menschenrechtler Peter Steudtner und die Übersetzerin Mesale Tolu dazu. Ihnen wird Terrorismus vorgeworfen. Das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara ist unter anderem deshalb angespannt.

 

SPD möchte im Hauptausschuss informiert werden

 

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Schweriner Stadtvertretung, Christian Masch hat sich heute Morgen mit einem Schreiben an Oberbürgermeister Rico Badenschier gewandt. Auf der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am 5. September soll Badenschier den Ausschuss über den Sachverhalt im Rahmen seiner Möglichkeiten informieren.

 

Familie hofft auf diplomatischen Erfolg

 

Die Familie ist im Moment ziemlich besorgt. nach Eigenangaben steht sie im Moment in engem Kontakt mit der Botschaft, dem Auswärtigen Amt und Schweriner Politikern. einmal pro Woche dürfte die Familie für fünf Minuten mit dem Inhaftierten in der Türkei telefonieren. Nicht immer komme aber nach Angaben der Ehefrau eine Verbindung zustande. Für die Angehörigen bleiben im Moment die diplomatischen Anstrengungen Deutschlands die einzige Möglichkeit, dass der Ehemann und Vater wieder nach Deutschland zurückkehren kann.

 

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