Schwerin-Lokal

Bei den Freien Schulen wird der Rotstift angesetzt

pauline  / pixelio.de

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(am). Mecklenburg-Vorpommern hat eine neue Privatschulverordnung. Die ist schon seit Anfang August in Kraft getreten und hat zunächst kaum für öffentliches Interesse gesorgt. Bildungsminister Matthias Brodkorb (SPD) hatte nach den Sommerferien verfügt: Geld gibt es für Schulen in privater Trägerschaft zukünftig nur noch für die tatsächlich entstehenden Lehrerkosten. Bisher wurden 85 % des Schülerkostensatzes staatlicher Schulen erstattet, bei beruflichen Schulen sogar nur 50 – 80 %. Der Minister rechtfertigt sein Vorgehen mit dem Hinweis, dass solchen Schulen keine Nachteile entstünden, die ihre Lehrkräfte wie an staatlichen Schulen bezahlten. Eine andere Meinung dazu haben die Freien Schulen im Land. Die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Mecklenburg-Vorpommern (AGFS) fordert die Rücknahme der Privatschulverordnung.

In einem Gespräch mit Schwerin Lokal bekräftigt Dr. Sven Olsen diese Kritik. Olsen spricht für den Schulträger der ecolea, ein Schulverbund in freier Trägerschaft. Die Schulen der SmeninarCenterGruppe decken den beruflichen Bereich ebenso ab wie den gymnasialen Zweig. Ein Standort der Gruppe ist Schwerin. Olsen kritisiert bereits den bisherigen Ansatz der Finanzierung. So sei die Ermittlung des Schülerkostensatzes schon zweifelhaft: „Wenn zum Beispiel 10 % des Unterrichts an staatlichen Schulen ausfällt, dann war das bisher für uns die finanzielle Bezugsgröße. Was an staatlichen Schulen für Vertretungsunterricht zusätzlich anfällt, wurde uns gar nicht erst zugestanden.“ Die tatsächlichen Kosten für die Schulversorgung wurden also auch mit der alten Regelung nicht abgedeckt.

Schulschließungen drohen

Durch die neue Landesverfügung, verschlechtere sich die Situation nun noch einmal. Mit der lehrerbezogenen Finanzierung fallen nämlich alle im Zusammenhang mit dem Lehrbetrieb stehenden Kosten einfach weg, also zum Beispiel solche im Bereich von Planung und Verwaltung. Die Folgen, so Olsen, seien verheerend. Besonders für den beruflichen Zweig: „Da liegen wir in manchen Bereichen schon jetzt bei nur 50 % Unterstützung. Wenn weitere Gelder wegfallen, müssen wir manche Zweige ganz schließen. Das gilt zum Beispiel für den Standort in Rostock, der auf Grafik und Design spezialisiert ist. Es werden also durch die neue Verordnung Angebote wegfallen, die staatlicherseits nicht vorgehalten werden. Vor dem Hintergrund der Fachkräftemangeldiskussion halte ich das schon für dramatisch.“

Wie sich die Entwicklung ecolea-Gymnasium in Schwerin auswirke, könne man noch nicht absehen: „Die Zuweisungen erfolgen nach zwei Jahren rückwirkend. Wenn nur 5 % Gelder gekürzt werden sollten, dann wird man das kaum ausgleichen können. Schließlich kann man im laufenden Schulbetrieb kein Geld zurücklegen.“ Eine Planungssicherheit sei unter diesen Umständen nicht möglich.

Schließlich ziehe die Privatschulverordnung neue und ausufernde bürokratische Arbeit nach sich, erklärt Olsen: „Wir müssen uns hier in den Schulen mit neuer Bürokratie beschäftigen und im Ministerium wird es ebenfalls erhebliche Mehrarbeit und damit Mehrkosten geben. Das Geld geht also wieder einmal in die Verwaltung statt in die Bildung. Gespart wird dabei am Ende sicher nichts.“ Gespart habe das Land dagegen bereits vor der neuen Verordnung an den Freien Schulen. Jeder Schüler an einer Freien Schule habe den Landeshaushalt schon vor der Änderung entlastet: „Warum also gerade bei uns erneut der Rotstift angesetzt wird, ist wirklich nicht zu verstehen.“

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