Schwerin-Lokal

Tag der Pflege:
„Ich mache meine Arbeit mit Herz“

Schwerin, 12.05.2017 (red/sr). Heute ist der „Tag der Pflege“. Gibt es unter den heute schwierigen Umständen tatsächlich Menschen, die ihre Arbeit mit Spaß machen? Das hatte sich die Redaktion gefragt und ist auch fündig geworden.

Von Stefan Rochow

 

 

Die Engländerin Florence Nightingale gilt als Begründerin der modernen Krankenpflege. Sie hatte sich durch die Versorgung von Kriegsversehrten im Krimkrieg einen Namen gemacht. 1967 ernannten Pflegeorganisationen ihren Geburtstag zum „Tag der Pflege“. Er soll auf die Arbeit von Krankenschwestern und Pflegern aufmerksam machen.

 

Beim Thema Pflege fallen vielen Menschen heute die Stichworte „steigende Kosten“ und „fehlendes Personal“ ein, sicherlich nicht zu Unrecht. Der demografische Wandel könnte dazu führen, dass Deutschland im Jahr 2030 mit 200.000 fehlenden Kräften zu kämpfen hat. Nach einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags haben in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Pflegediensten schon jetzt 55 Prozent der Unternehmen über Monate Probleme, Stellen zu besetzen.

 

Auf ungeraden Wegen zur Berufung

 

Gibt es unter diesen Umständen tatsächlich Menschen, die ihre Arbeit mit Spaß machen? Das hatte sich die Redaktion gefragt und ist auch fündig geworden. André Vergin arbeitet in der Stationären Pflegeeinrichtung „Haus am Fernsehturm“. Diese Einrichtung wird von der SOZIUS Pflege- und Betreuungsdienste Schwerin gGmbH betrieben. Sein Weg in die Altenpflege verlief alles andere als gerade.

Nach der Schule lernt er erst einmal den Beruf des Maurers. Vor dieser Berufswahl liebäugelte er zwar schon damit den Beruf des Krankenpflegers zu erlernen. „Mein Schulabgangszeugnis war damals aber nicht so, dass ich mir Chancen ausgerechnet habe, hier am Ende angenommen zu werden“, sagt André Vergin im Gespräch.

Nach der bestandenen Maurerlehre im Jahr 2001 geht es nun für die nächsten acht Jahre zur Bundeswehr nach Hagenow. Danach, so erzählt uns der Altenpfleger, arbeitete er als Trockenbauer und Fenstermonteur. Wirklich Freude hatte er dabei aber nicht, zumal seine Familie in dieser Zeit wenig von ihm hatte. „Alles war damals wie eine ‚Wochenendbeziehung‘. Ich stand früh auf und fuhr auf die unterschiedlichen Baustellen in der Gegend. Nach Hause kam ich erst gegen 21.00 Uhr. Viel Zeit für Familie war da nicht.“

2011 – er ist damals 29 Jahre alt –  beschließt Vergin einen beruflichen Neuanfang. „Für mich stellte sich tatsächlich die Frage, ob ich so weitermachen wollte wie bisher? Da kam dann schnell wieder mein Wunsch auf, Menschen helfen zu wollen.“, so André Vergin. Die Entscheidung lag damals zwischen Krankenpfleger oder Altenpfleger. Da der junge Mann aber früher schon bei der Pflege seiner Oma geholfen hatte, fiel die Entscheidung auf den Beruf des Altenpflegers. Mit alten Menschen umgehen, davon war er überzeugt, kann er ganz gut.

„Das erste Vorstellung bei SOZIUS war für mich dann doch eine ungewohnte Situation. Im Gegensatz zu vielen anderen Auszubildenden hatte ich ja schon eine lange Zeit in das Berufsleben hineingeschnuppert.“

Bevor sein heutiger Arbeitgeber sich für Vergin entschied, musste er noch ein zweiwöchiges Vorpraktikum absolvieren.

„Das ist in unserem Unternehmen die gängige Praxis.“, sagt Franziska Hain, die bei SOZIUS für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sowohl der Auszubildende, aber auch der Arbeitgeber, möchten in dieser Zeit schauen, ob der Berufswunsch wirklich passend ist.

 

„Das war für mich eine schöne Bestätigung, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.“

 

„Für mich war das eine wichtige Erfahrung“, sagt André Vergin im Rückblick. Er habe anfangs gedacht, dass Altenpflege ausschließlich die Betreuung beinhalten würde. „Schnell merkte ich aber während des Praktikums, dass der Beruf sehr viel umfangreichere Aufgaben bereit hält. Diese Spannbreite, vor allem in der Pflege, hatte ich so nicht erwartet.“ Am Ende des Praktikums blieb er aber bei seinem Berufswunsch und auch sein heutiger Arbeitgebern wollte Vergin haben.

„Die  dreijährige Ausbildung war schon ein hartes Brot. Nicht nur der umfangreiche Theorieteil – vor allem der Umstand, dass ich plötzlich als Familienvater wieder mit einer Azubi-Vergütung auskommen musste, war eine Herausforderung.“ Im ersten Lehrjahr blieben ihm nicht einmal 400 Euro übrig. Bereut hat er diesen Schritt aber bisher nie. „Ich bin wirklich froh, dass ich diese Ausbildung gemacht habe“, sagt der Altenpfleger. Er vermittelt bei diesen Worten den Eindruck, dass hier ein Mensch über seine Arbeit spricht, der seine Berufung gefunden hat. Es ist besonders die „Dankbarkeit der Bewohner“, die ihn jeden Tag immer wieder gerne zur Arbeit kommen lasse.

André Vergin arbeitet auf der Suchtstation des Hauses. Noch gut erinnert er sich an den ersten Arbeitstag auf dieser Station. Damals sei mit ihm ein neuer Bewohner angekommen. Dieser war bettlägrig und konnte sich kaum selbst helfen. Nach einiger Zeit kam er langsam wieder auf die Beine und wurde schrittweise wieder selbständiger. „Das war für mich eine schöne Bestätigung, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.“

Das Verständnis für seine Arbeit vermisst er manchmal in der Gesellschaft. So habe er auch in seinem Umfeld immer wieder gehört: „Das könnte ich überhaupt nicht!“ Vergin stört diese Einstellung, da das Leben nun einmal von Anfang an auf das Ende hingeht. Er freut sich, dass er mit seiner Arbeit einen Beitrag für die „Würde des Menschen“, gerade auch im Alter oder bei Hilflosigkeit, leisten kann. Wenn er am „Tag der Pflege“ einen Wunsch frei hätte, dann würde er sich mehr Anerkennung für seine Arbeit wünschen. Altenpfleger ist ein Job, der Vergin jeden Tag vor neue Herausforderungen stellt. „Ich mache meine Arbeit aber gerne und mit Herz“, sagt André Vergin. Wer ihn erlebt hat, der glaubt ihm das sofort.

 

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